Yvio – Partytime

Erstveröffentlichung im Januar 2010 in der Fairplay 90.
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So ziemlich allen Quizspielen ist eines gemein: Jeweils ein Spieler kann nicht mitraten, da er die Rolle des Fragestellers und Schiedsrichters übernehmen muss. Doch zum Glück gibt es jetzt mit der YVIO-Konsole den unbestechlichen, überparteilichen, unfehlbaren, allseits bereiten und nimmermüden Quizmaster für Partyspiele. Noch besser: Mit PARTYTIME gibt es sogar eine ganze Partyspielesammlung.

Ein weiteres Problem herkömmlicher Partyspiele wird von PARTYTIME auch elegant gelöst: Niemand muss Regeln lesen, der Computer übernimmt diesen unbeliebten Job. Die bis zu 8 Spieler müssen nur je einen Satz Karten mit eingeklebtem RFID Chip an sich nehmen und auf Kommando die jeweils richtige Antwortkarte auf den Spielplan klatschen. Der Computer übernimmt alles andere: Fragen stellen, Antworten bewerten, Punkte verteilen und dumme Kommentare abgeben. Dabei nimmt er offensichtliche Anleihen bei seinem großen Vorbild „You don’t know Jack!“

PARTYTIME ist ein Glücksfall für Rezensenten: Nun können endlich auch auf Parties und Feiern wichtige Tests durchgeführt werden, ohne heiser zu werden. Nach einer kleinen Schwärmerei über die technischen Innovationen der YVIO finden sich auf jeder Party schnell neugierige Mitspieler. Also wird die YVIO schnell mit neuen Batterien gefüttert, und schon kann es losgehen.

Ein Tipp: Vergessen Sie letztere vorsätzlich daheim und erwähnen Sie dies während des Smalltalks vor dem Spiel: „Leider können wir dieses tolle Spiel nicht spielen, denn ich verga߅“ – Irgendeine arme Sau opfert sich dann bestimmt und zückt Akkus, Batterien oder fährt schnell zur Tanke. Die YVIO ist nämlich ziemlich stromgierig – von wegen allseits bereiter Moderator. Und noch ein Tipp: PARTYTIME lässt sich zu acht spielen. Suchen Sie sich also acht(!) Mitspieler. Als unbeteiligter Zuschauer können Sie so besser das Spiel beobachten und beurteilen.

Schon bald ist der Spieletisch eng umlagert. Denn die Computerstimme muss ja irgendwie aus dem übrigen Partylärm (Gläserklirren, Hintergrundmusik, Diskussion der Weltlage…) herausgehört werden. Wer nichts versteht, hat zwar eine Ausrede für falsche Antworten. Ärgern braucht er sich aber nicht, denn die Fragen sind oft langweilig, und die Witze der YVIO sind nicht nur schlecht, sie werden auch noch erschreckend oft wiederholt. Der Dreiklang aus Frage, Antwort und doofem Spruch wird hin und wieder durch kleine Spielchen aufgelockert. Beispielsweise muss ein Spieler ein Lied singen, und die anderen dürfen es bewerten. Zumindest Schadenfreude kommt dabei auf, manchmal beim Zwangssänger, manchmal bei den Zuhörern.

Irgendwann, nach einer viel zu langen Zeit, hat ein Spieler zwölf Punkte erreicht und den Sieg errungen. Bevor die Gruppe sich aber auflösen darf, kann sich der Rezensent noch einmal diebisch freuen: „Lauft nicht weg, es gibt noch zwei weitere Spiele, die sind kürzer und ganz anders! – Macht schnell noch mit bei der Tortenschlacht. Die Batterien haben noch genügend Strom.“
Nun ist das Schöne an einer Tortenschlacht, dabei zuzusehen, wie andere mit Sahne verunstaltet werden. Sehr wichtig ist dabei die Sahne. Eine Tortenschlachtsimulation ohne echte Torten ist noch langweiliger als einer Topfpflanze beim Wachsen zuzuschauen, nur gibt es mehr Regeln. Zum Glück ahnen die Testopfer dies noch nicht und versuchen prompt, irgendwie der YVIO ihre Tortenschlachtkarten zu präsentieren, damit diese dann ihre Auswertung abspulen und wieder Punkte verteilen kann.

Ob die Partygäste schließlich auch noch zur chinesischen Partypatience gezwungen werden können, hängt ganz von ihrer Leidensfähigkeit und der sadistischen Ader des Kritikers ab. Wenn die Stimmung jedoch überzukochen droht, sollte er rechtzeitig das Weite gesucht haben.

Karl-Peter Nos

POSTSCRIPTUM:

Bild von Partytime

Nein, nein, nein. Partytime ist nicht unser Ding. Das zitierte Original “You Don’t know Jack” spielten wir zumindest zwei Folgen lang. Am coolsten ist immer noch das erste Original mit harten Märkern. Ab der zweiten Folge ging es schon um Euros. An dieses Vorbild kommt Partytime einfach nicht heran. Große Runde am Spieletisch hin und her. Ganz zu schweigen von der ziemlich beknackten Idee, dass jeder Spieler einen “Avater” wie die pompon-schwingende Tessa Touchdown oder den surfenden Wilbur Wavers wählen muss. Ein weiteres Mäntelchen des Schweigens sollte gebreitet werden über die kleinen Spielchen zwischendurch, bei denen ein aus einzelnen LEDs zusammengesetzter Buchstabe erraten werden soll oder ein einzelner Spieler eine Performance geben muss.

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Prädikat
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Die Technik hingegen funktioniert bestens. Jede Karte wurde durchweg korrekt erkannt, und es bestand nie ein Zweifel, dass auch die Reaktionszeit richtig ausgewertet wurde. Es bleibt zu hoffen, dass die yvio-Konsole bald mit passenderen Spielen bestückt wird.

Kathrin Nos




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2 Kommentare to “Yvio – Partytime”

  1. Kathrin

    Hallo Nico,

    bei Quizspielen sind Kinder selten gleichberechtigt dabei. Ihr Allgemeinwissen hat noch nicht den Umfang wie das eines Erwachsenen. Manche Quizspiele kompensieren dies, wie etwa die Bezzerwizzer-Familien-Edition, bei der Erwachsene die Fragen frei gestellt bekommen, die jüngeren Spieler aber zur Hilfe mögliche Antworten zur Auswahl erhalten. Bei Partytime kommt der Reaktionsfaktor hinzu – wer schneller ist, erhält mehr Punkte.

    Alles Gute von
    Kathrin.

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