Prestel Kunstbox

Endlich schreibe ich über ein Spiel, das schon ewig eine kleine Würdigung verdient. Es geht – große Überraschung – um Kunst und zwar im schnödesten Sinne: um Malerei. Ähnlich öde klingt das Spielprinzip: Stück für Stück werden Gemälde freigelegt, Hans Rosenthal lässt grüßen. Dabei schwadronieren wir fröhlich über die freigelegten Details. Wer war der Künstler? Aus welcher Epoche stammt das Werk? Was stellt es dar und welche Bedeutung hat es? Die Aussagen können erstunken und erlogen aber auch gut gewusst oder glücklich erraten sein. Um die Sache noch etwas verrückter zu machen, gibt es auch noch kleinere und größere Fehler in den Bildern zu entdecken. Die Mitspieler sollen all diese Aussagen nun auch noch einschätzen und schlechte Bluffs aufdecken.

Warum lohnt es dieses Spiele überhaupt hervorzukramen?


Bild von Prestel Kunstbox

Ganz einfach. So abgedroschen die Idee klingt, so gut funktioniert das Konzept. Die Reduktion auf kleine Ausschnitte bringt den Fokus auf eben die interessantesten Details. Spätestens beim nächsten Museumbesuch oder dem Blick ins Schaufenster einer Galerie zahlt sich die Übung an der Kunstbox aus. Mit einem Mal sieht man Anspielungen, Kleinigkeiten und Geschichten, die ein grober Blick auf ein Gemälde nie enthüllt.


Schöngeist
Prädikat: Schöngeist
Bild von 2 von 3 Müttern (nur warum?)

Prädikat
:
Bild von 2 von 3 Müttern
(nur warum?)


Nebenbei macht es auch wirklich Spaß, jedes einzelne Bild der Kunstbox durchzuspielen. Die Detailregeln mit Bluffen und Punkten sind wie in vielen Spielen dieser Art reichlich egal. Spannender ist die Auflösung. Hat die Gruppe die Intention des Malers richtig erraten? Ist das Bild vielleicht doch viel kleiner als vermutet und ist die offensichtliche Fälschung vielleicht doch ein realer Vorgriff aus der Renaissance in die Moderne? Die Erklärungen zu den Bildern sind umfangreich, und beim Vergleich mit den Annahmen der Spieler dämmert es allen: Die Kunstbox ist im Kern ein kooperatives Spiel.

Nun ist die Kunstbox leider schon seit vielen Jahren vergriffen. Wir besaßen auch kein eigenes Exemplar, bis wir neulich beim Spielwarenhändler unseres Vertrauens ein originalverpacktes Spiel entdeckten. Siehe da: Auch der zweite Durchgang mit den nur 30 Gemälden ist so spannend wie beim ersten Mal. Und wieder macht die Kunstbox Lust, einige der Bilder im nächsten Kultururlaub auch mal im Original zu sehen. Dabei ist es egal, dass die Werkauswahl vergleichsweise konventionell ist und gerade zeitgenössische Gemälde fehlen. Ich vermisse auch vergleichende Bilder einer Epochen oder auch mal mehrere Bilder des gleichen Künstlers. Vielleicht ist das eben auch gerade gewollt. Mehr als ein Appetithappen will und kann die Kunstbox nicht sein. Der Hunger lässt sich nur im Museum stillen.

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