Steam, mit oder ohne Age of

An zwei Eindrücke während meiner ersten Partie von Age of Steam kann ich mich gut erinnern: “Das Spiel ist gut!” und “Das Spiel ist hässlich!” – Die zweite Aussage trifft auf Steam nicht mehr zu. Es gibt noch einige andere Detailverbesserungen. Doch im Gegensatz zur Railroad Tycoon Serie und dem schon sehr alten Volldampf von Matrin Wallace überwiegen die Gemeinsamkeiten der Steam-Spiele, egal ob mit oder ohne Age.

Kenner der Age of Steam-Materie brauchen ab hier nicht weiterzuschmökern oder mögen beim weiteren Lesen erhaben den Kopf nicken und “ja, so ist es!” murmeln. Oder je nach Belieben “nein – das ist alles Murks!” brüllen. Ganz wie sie mögen.

Um Age of Steam ranken – einer Seifenoper würdig – Skandale und Anekdötchen. Meines Wissens begann alles mit Volldampf, bzw. mit der von mir ungespielten “Early Railways” Serie von Winsome Games. Auf einer Landkarte wurden Schienen gebaut. Um die dabei anfallenden Kosten zu begleichen, mussten Aktien ausgegeben werden, die fortan die Gewinne schmälerten. Danach wurden bunte Klötzchen über möglichst viele Schienen in gleichfarbige Städte transportiert. Das brachte den Schienenbesitzern Siegpunkte.

Bild von (Age of) Steam

An diesem grundlegenden Spielprinzip hat sich seitdem nur wenig geändert. Bei Volldampf waren die baubaren Strecken noch vorgegeben. Eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten trübten das Spielvergnügen. Age of Steam griff nun alle positiven Mechanismen auf und erweiterte das Spielprinzip um einige Elemente. So waren nun eben nur noch die Städte vorgegeben, und die Verbindungen entstanden erst im Laufe des Spiels. Der Aktienmechanismus wurde durch die Versteigerung der immens wichtigen Spielreihenfolge verschärft. Damit wurde aus einem lockeren Spielchen ein knallharter Wettkampf. Kleine Fehler am Anfang waren eigentlich nicht mehr ausgleichbar. Noch schlimmer, es war möglich, ungeschickt agierende Mitspieler förmlich aus dem Spiel zu drängen. Zudem war das Spielmaterial wie schon erwähnt recht hässlich.

Dafür bot das Spiel unglaubliche Herausforderungen. Durch einen nimmer versiegenden Strom neuer Landkarten und Extraregeln kam garantiert auch nach X Partien keine Langeweile auf.

Die Regeln von Age of Steam sind für ein Spiel dieser Komplexität ziemlich kurz und geradlinig. Sicherlich war dies ein wichtiger Grund für seine anhaltende Beliebtheit. Durch die je nach Grüblerlust sehr lange Spieldauer, das Design sowie die geringe Fehlertoleranz weigerte sich manch einer aber, das Spiel überhaupt auszuprobieren oder eine zweite Partie zu erwägen. Für diese Spieler entstand die Railroad Tycoon Serie. Nun lässt es sich trefflich streiten, ob Age of Steam oder Railroad Tycoon das bessere Spiel ist. Ich bevorzuge eindeutig Age of Steam. Bei Railroad Tycoon ist zwar alles größer, schöner, besser, leichter, schneller – aber auch flacher, glückslastiger und langweiliger. Dies ist nun aber wirklich Geschmackssache.

Nun war Age of Steam aber irgendwie ein Gemeinschaftsprojekt von John Bohrer und Martin Wallace, und John hat die etwas älteren Rechte an der Spielidee. Irgendwann verstritten sich die beiden und sahen sich daraufhin vor Gericht wieder. John bekam Recht, und aus war es mit Age of Steam von Martin Wallace. Noch immer veröffentlichen Kleinstverleger jährlich neue Erweiterungen, nur bei War- bzw. Treefrog gibt es kein Age of Steam und auch keine neuen Karten mehr.

Dafür entwickelte Martin Wallace ein völlig neues Spiel namens Steam. Passender wäre jedoch TigfknaAoS (The improved game formerly known as Age of Steam). Endlich gibt es eine dem Spiel würdige Grafik und Ausstattung – mit einer Ausnahme: die Covergrafik von Age of Steam ist gefälliger. Eine Einsteigerspiel umschifft die Einstiegsprobleme ohne größere Vereinfachung so geschickt, dass viele kaum noch den Wunsch verspüren das Expertenspiel auszuprobieren, das weitgehend mit den Regeln von Age of Steam übereinstimmt. Nur ein paar Details im Umgang mit Dividendenzahlungen und Baukosten wurden optimiert.

Mit den Expertenregeln ist Steam weiterhin ein gnadenloses Spiel. So stürzte ich neulich gnadenlos ab, als ich im ersten Zug ungeschickt baute und auf diese Weise nach einem Drittel des Spiels zum Zuschauer wurde.

Bild von 3 von 3 Schienen
Prädikat
:
3 von 3 Schienen

Welches Spiel ist nun das bessere? Um ehrlich zu sein, ich finde die Unterschiede zu gering, um einen Neukauf von Steam zu rechtfertigen, falls sich Age of Steam schon im Spieleregal befindet. Bei Steam wurde aber einiges besser und nichts schlechter. Wer also noch kein Age of Steam besitzt, sollte ohne zu zögern zu Steam greifen. Insbesondere da viele Landkarten erhältlich sind, die sich für beide Spiele eignen.

Share

9 Kommentare to “Steam, mit oder ohne Age of”

  1. Sarah Kestering

    Hallo Peter,

    danke jetzt fühle ich mich besser. Jetzt weiß ich das ich mit dem altem Age of Steam leben kann und kein Steam brauche. Wie beruhigend. Railroad Tyccon gefiel mir nicht. Jetzt lese ich aber von Unstimmigkeiten bei Volldampf und fange an zu grübeln. Ich habe es noch im Regal weil es mir immer gut gefiel. Meine letzte Partie ist allerdings doch schon so 1 bis 2 Tage her. Was denn für Unstimmigkeiten? Ob ich es vor Essen noch schaffe Volldampf noch mal zu spielen? Ob ich selber die Unstimmigkeiten herausfinde? Oder gibst Du mir einen Tipp? Habe ich am Ende etwa einem Spiel Regalplatz zugeteilt das ich gar nicht brauche? Fragen über Fragen…Ich erinnere mich halt nur noch an 2 Dinge- es hat Spaß gemacht und es war nicht so megakompliziert.

    Viele Grüße, Sarah

    Reply
    • Peter

      Hallo Sarah,

      ups, jetzt wurde ich erwischt. – Für die Phrase “Eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten trübten das Spielvergnügen” gibt es noch keine Übersetzung in von “Rezi nach Deutsch” (https://das-spielen.de/index.php/rezi-deutsch). Es bedeutet: “Der Rezensent verhökerte das Spiel schon vor längerer Zeit und kann sich an Kritikpunkte im Detail nicht mehr entsinnen.”

      Düster erinnere ich mich an Geld im Überfluss aber es funktionierte ohne zu begeistern. Vielleicht war das Spiel auch viel besser. Im Vergleich zu Age of Steam kam bei uns aber nie wieder der Wunsch auf Volldampf zu spielen. Das Nette an der Dampf-Reihe ist, dass jeder seine eigene Lieblingsversion spielen darf. Es gibt sogar Spieler die Railroad Tycoon bevorzugen und dafür gute Gründe anführen können. – Das ist alles persönlicher Geschmack. Mitspielen würde ich jederzeit alle Varianten, vorschlagen aber nur (Age of) Steam.

      Viele Grüße,
      Peter.

      Reply
  2. Sarah Kestering

    Hallo Peter,
    hihi….
    macht ja nichts. Ich hatte nur gehofft das Du mich so überzeugen kannst und ich dann schon vor der Aufwendung von kostbarer Wiederspielzeit eine Entscheidung treffen kann. Ich habe gestern dann noch mal die Regel gelesen. Also ein Punkt der nicht gefällt, wurde gleich deutlich. Aktionskarten – igitt! Wer hinten liegt, bekommt jede Runde eine Akionskarte. War das nicht auch so bei Railroad Tycoon? Da kann ich nicht mitreden – weil ich DAS ganz schnell wieder verscherbelt habe. Wir haben Voöödampf damals aber immer ohne die Aktionskarten gespielt. Und jetzt beim Lesen finde ich es erstaunlich wie dicht dran das Spiel an Age of Steam kommt, von den Regeln, es hört dabei aber sehr viel leichter an. Ich werde es dann wohl doch noch mal spielen müssen. Vielleicht ist es nach Age of Steam jetzt tatsächlich zu Weichei? Mal sehen. Falls es schlecht ist, werde ich hier noch mal einen Kommentar abegeben – bestes Spiel der Age of Steam Reihe und so – damit die Preise steigen…

    Viele Grüße, Sarah

    Reply
  3. Arne Kuhnert

    Railroad Tycoon hat auch Aktionskarten. Diese kann man ohne das sie etwas kosten würden als eine von insgesamt drei Aktionen pro Runde nehmen. Dabei sind super starke (Baue bis zu vier Streckenteile umsonst) und eher mäßige (Ziehe zwei Warenwürfel und platziere sie in einer Stadt), wieder andere bringen dem Spieler, der ein Ziel zuerst erreicht (Baue eine Strecke von A nach B, oder habe zuerst einen “4er Zug”) einen ganzen haufen (ca. 4 bis 8 ) Punkte.

    Für “echte” Strategen ist Railroad Tycoon vieleicht nicht die richtige Wahl, aber es ist schöner und (viel, viel) größer als AoS. Man bekommt damit eher mal Spieler an ein “Eisenbahnspiel”. Und wenn es nur aus neugierde ist weil der Besitzer es, als “Spiel mit dem größten Spielplan überhaupt” anpreist. 😉
    Wenn ich nicht ganz danebenliege, spricht glaube ich nichts dagegen, als Besitzer von beiden Spielen mit dem Tycoon Material nach (Age of) Steam-Regeln zu spielen.

    Reply
  4. Peter Nos

    Hallo Arne,

    das mit dem größten Spielplan ist wohl wahr. Bestimmt gibt es wohl gewiss noch Spiele ähnlicher oder vielleicht noch riesigerer Dimensionen (in unserer Sammlung fällt mir aber spontan keines ähnlicher Größe ein). Deren Spieldauer ist im Gegensatz zu der von Railroad Tycoon meist aber auch bombastisch lang.

    Viele Grüße,
    Peter.

    Reply
  5. Florian K.

    So, hab Steam bestellt. Drei von drei Schienen hier und die gute Wertung von Udo B. – das war zu viel.

    Trotzdem noch eine Frage, habt Ihr auch eine Meinung zu Chicago Express, gerade im Vergleich zu Steam und Wensleydale?

    Reply
  6. Kathrin

    Hallo Florian,

    zu Chicago Express hatten wir in unserem Messebericht zur Spiel ’08 etwas geschrieben: https://das-spielen.de/index.php/spiel-08-samstag/#chicago – es ist gegenüber Steam eher ein Leichtgewicht.

    Hervorzuheben ist sicherlich, dass sich Chicago Express gut mit 5 oder gar 6 Spielern spielen lässt. In dieser größeren Besetzung kommt es vermehrt zu gemeinsamen Bauten an Strecken, während in kleinerer Besetzung Gesellschaften durchaus auch im Alleingang ausgebaut werden (müssen). Steam bevorzuge ich wegen der Länge mit maximal 4 Spielern, Wensleydale geht ja sowieso nur mit max. 4 Spielern.

    Ach so, und schau dir auch mal Samarkand an, wenn dich Chicago Express grundsätzlich interessiert. Unsere Rezi findest du hier: https://das-spielen.de/index.php/samarkand/

    Viel Spaß mit Steam!
    Alles Gute von
    Kathrin.

    Reply
  7. Sarah Kestering

    Oh Mann, ihr seid Schuld!
    Immer lecker machen. Jetzt konnte ich es doch nicht sein lassen. Es gibt aktuell Steam für 25 Euro, da konnte ich nicht widerstehen und weil es Battlestar Galactica auch für 25 Euro gab, seid Ihr Schuld wenn meine Fairplay Texte nicht rechtzeitig fertig werden. Battlestar Galactica hat mich nämlich nicht die Bohne interessiert, bis ich diese ganzen positiven Rezis gelesen habe. Na toll, dabei hatte ich doch im Spieleregal gerade so tapfer aussortiert – Psycho Pet…… 😉
    Natürlich habe ich Volldampf noch nicht wieder gespielt. Natürlich muss ich jetzt erst die Neuheiten spielen, natürlich habe ich irgendwie genug Spiele- wir sind echt bekloppt!
    Viele Grüße, Sarah – sollte vielleicht in Handschellen über die Messe gehen, dann wird es schwieriger mit dem kaufen…

    Reply
  8. Florian K.

    Hallo Kathrin, schönen Dank für die Hinweise, den Text von ’08 hatte ich tatsächlich noch nicht gefunden. Bei der Gelegenheit wünsch ich auch gleich viel Spaß in Essen; ich werde Eure Berichterstattung aufmerksam verfolgen.

    Reply

Mein Kommentar

  • (wird nicht weitergegeben)